Diesig. Trüb. Grau. 24 Stunden Nebel! Feuchte Luft, schlechte Sicht, kalte Finger, das ist Greifswald im Herbst. Die Gedanken fliegen, träumen, sehnen. Fliegen weg in die Karibik und kommen wieder zurück. Denn was will man dort? Die Ostsee ist viel schöner. Doch die Gedanken fliegen in die Erinnerung. Wie es war, als man noch Fischbrötchen im wärmenden Sonnenstrahl in Wieck knabbern konnte! Und jetzt? Ist die Wahrnehmung schief? Das Leben scheint langsamer, ja, fast mühseliger zu gehen. Die Zeitumstellung steckt noch in den Knochen. Was diese Stunde macht! Mit Macht verändert sie den Rhythmus. Kaum aus den Federn, geht das Licht schon wieder aus! Immer mehr winterliche Kleidung auf den Straßen. Die Nikoläuse lachen frech aus den Regalen, Weihnachtsgebäck fast überall und die Winter-Teesorten warten wieder auf die Wärme- und Stillesüchtigen, die dafür teuer Geld liegen lassen. Es bleibt doch alles gleich. Reich wird, wer genial überlegt. Und mit dem richtigen Namen und Layout seines (eigentlich wenig exquisiten) Produktes viel Geld machen kann!
Doch still und grau und trüb, das hat nicht jeder lieb. Aber jeder hat Greifswald lieb. Sofern er denn dort wohnt. Oder wohnte. Oder zu Besuch war. Oder oder oder. Denn Greifswald hat für jeden was zu bieten. Und damit keiner enttäuscht ist, gibt es fast jeden zweiten Tag Sonne. Sonne pur! Sonne pur, um sie zu atmen. Sonne pur, um sie zu sehn. Sonne pur, um sie zu haben. Damit die Freude nicht erlischt und in Dunkelheit vergeht. Sonne! Sie strahlt und malt den Tag so anders. Bunte Blätter blitzen, kahle Bäume blinken, sie winken fast schon zu: die Lebensfreude des Herbstes! Die Freude an wild herum tanzenden und bunten Laubformationen einschlafender Bäume. Die Freude an der Ästhetik der entlaubten Bäume im untergehenden Sonnenlicht. Die Freude an der hellen Farbenpracht, der Gemütlichkeit und ihrer Wärme. Zugvögel, die souverän und zielstrebig am Himmel entlang ziehn. Jedes Mal ein Spektakel. Das alles lässt kurz vergessen. Kurz vergessen, was sonst noch in der Welt passiert.
Und es öffnet die Augen. Für einen großen Augen-Blick: In Gottes Schöpfung ist alles eine Frage der Perspektive und Beleuchtung. Ich kann mich ärgern oder freuen, dass Herbst ist. Kann den Nebel behindernd oder faszinierend finden. Alles eine Frage der Perspektive und Beleuchtung. Es gibt immer ein sowohl als auch.
Muahha, musste ja lachen, deine Poesie und Beschreibung sind einfach…chchchch.
Von: Anja Dreytza am 23/11/2011
um 17:49