Verfasst von: stephandreytza | 08/12/2011

Wer unter dem Schirm der Höchsten sitzt…

…und unter dem Schatten der Allmächtigen bleibt, der spricht zu seiner Herrin: Meine Zuversicht und meine Bürgin, meine Göttin, auf die ich hoffe. Auf eine bestimmte Göttin  als Bürgin setzen einige bankrotte EU-Staaten ihre Hoffnung. Die Göttin heißt Europäische Union. Denn die hat einen „Rettungsschirm“, unter den man „schlüpfen“ kann. Und der neuerdings durch „Hebelwirkung“ noch weiter „gespannt“ werden kann.  Das gibt Zuversicht! Es existiert ein „Schirm“ unter dem „Rettung“ gefunden werden kann! „Halleluja!“ möchte ich fast rufen.

Doch die Hoffnung ist auf Luft gebaut und die Begrifflichkeiten sind irreführend. Statt von einem Rettungsschirm zu sprechen, sollten wir lieber von „Astro-FinKat“ sprechen: Astronomisch hohe finanzielle Katastrophenhilfe. Ich gebe zu: Das ist nicht so geschmeidig, suggeriert keine relative Sicherheit und ist nicht beruhigend wie „Rettungsschirm“. Es rüttelt eher auf, lehnt Volksverdummung ab. Und bringt deutlich präziser auf den Punkt, worum es beim „Rettungsschirm“ tatsächlich geht: Unvorstellbar hohe Summen an Steuergeldern für Staaten, die offensichtlich dauerhaft unvorstellbar schlecht und verantwortungslos gewirtschaftet haben. Und die jetzt eine Katastrophe par excellence erleben, in der es kaum Rettung zu geben scheint: Sozial(politische) Unruhen, Ungerechtigkeiten und Knochenbrüche (nicht Einschnitte!), Verlust der Haushaltssouveränität, des internationalen Ansehens und das „Vertrauen der Märkte“.

Letztere scheinen die (neuen?) Herrscher der Welt zu sein. Um sie zu beruhigen scheint fast jeder politische Handgriff recht. Hauptsache schnell und unter Druck entschieden. Mir stockt manchmal der Atem in welcher Selbstverständlichkeit wirklich fast alle Politiker uns in Statements suggerieren, als hätte die Politik die Fähigkeit die Märkte zu steuern. Und das mit hektisch beschlossenen Entscheidungen, die in drei Tagen diejenigen Probleme lösen sollen, die dreißig Jahre gebraucht haben, bis sie zur Eskalation geführt haben. Aber dann wundert man sich noch und ist empört, dass S&P die gesamte Euro-Zone unter negative Aussichten stellen will.

Hier zeigt sich der casus knaxus: Die EU und ihr „Rettungsschirm“ bieten keine Rettung. Der „Rettungsschirm“ ist vielmehr ein faulender, schlabbriger Lappen, der von sterblichen Menschen als gepflegte und heilsame Schutzkleidung verkauft werden soll. Zuversicht bietet er nicht. Unter ihm zu „sitzen“ ist kalt, ungemütlich und ein Zeichen der Katastrophe. Das einzugestehen ist hart, aber heilsam. Denn wahre Zuversicht gibt es nur bei Gott, wie ein Beter lange vor unserer Zeit schon mal formulierte: „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem HERRN: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.“ (Die Bibel, Altes Testament, Psalm 91, Verse 1+2)

Verfasst von: stephandreytza | 03/11/2011

Sowohl als auch

Diesig. Trüb. Grau. 24 Stunden Nebel! Feuchte Luft, schlechte Sicht, kalte Finger, das ist Greifswald im Herbst. Die Gedanken fliegen, träumen, sehnen. Fliegen weg in die Karibik und kommen wieder zurück. Denn was will man dort? Die Ostsee ist viel schöner. Doch die Gedanken fliegen in die Erinnerung. Wie es war, als man noch Fischbrötchen im wärmenden Sonnenstrahl in Wieck knabbern konnte! Und jetzt? Ist die Wahrnehmung schief? Das Leben scheint langsamer, ja, fast mühseliger zu gehen. Die Zeitumstellung steckt noch in den Knochen. Was diese Stunde macht! Mit Macht verändert sie den Rhythmus. Kaum aus den Federn, geht das Licht schon wieder aus! Immer mehr winterliche Kleidung auf den Straßen. Die Nikoläuse lachen frech aus den Regalen, Weihnachtsgebäck fast überall und die Winter-Teesorten warten wieder auf die Wärme- und Stillesüchtigen, die dafür teuer Geld liegen lassen. Es bleibt doch alles gleich. Reich wird, wer genial überlegt. Und mit dem richtigen Namen und Layout seines (eigentlich wenig exquisiten) Produktes viel Geld machen kann!

Doch still und grau und trüb, das hat nicht jeder lieb. Aber jeder hat Greifswald lieb. Sofern er denn dort wohnt. Oder wohnte. Oder zu Besuch war. Oder oder oder. Denn Greifswald hat für jeden was zu bieten. Und damit keiner enttäuscht ist, gibt es fast jeden zweiten Tag Sonne. Sonne pur! Sonne pur, um sie zu atmen. Sonne pur, um sie zu sehn. Sonne pur, um sie zu haben. Damit die Freude nicht erlischt und in Dunkelheit vergeht. Sonne! Sie strahlt und malt den Tag so anders. Bunte Blätter blitzen, kahle Bäume blinken, sie winken fast schon zu: die Lebensfreude des Herbstes! Die Freude an wild herum tanzenden und bunten Laubformationen einschlafender Bäume. Die Freude an der Ästhetik der entlaubten Bäume im untergehenden Sonnenlicht. Die Freude an der hellen Farbenpracht, der Gemütlichkeit und ihrer Wärme.  Zugvögel, die souverän und zielstrebig am Himmel entlang ziehn. Jedes Mal ein Spektakel. Das alles lässt kurz vergessen. Kurz vergessen, was sonst noch in der Welt passiert.

Und es öffnet die Augen. Für einen großen Augen-Blick: In Gottes Schöpfung ist alles eine Frage der Perspektive und Beleuchtung. Ich kann mich ärgern oder freuen, dass Herbst ist. Kann den Nebel behindernd oder faszinierend finden. Alles eine Frage der Perspektive und Beleuchtung. Es gibt immer ein sowohl als auch.

Verfasst von: stephandreytza | 30/08/2011

Der 01. Mai ist noch lang nicht vorbei!

Zugegeben: Ein schlechter Reim. Doch er trifft ziemlich präzise, was Greifswalder und viele andere in MV zur Zeit erleben: Wie im Frühjahr zeigt die NPD wieder Präsenz. Und das im wahrsten Sinne des Wortes plakativ. Nicht nur in der sich häufenden Briefkastenwerbung. Sondern Greifswald hat seit Ende Juli an wirklich fast jeder Straßenlaterne der viel befahrenen Straßen NPD-Plakate hängen.

Plakative NPD-Präsenz in Greifswald, Wolgaster Straße

Plakative NPD-Präsenz in Greifswald, Wolgaster Straße

Aus gutem Grund immer möglichst weit oben, damit man sie nicht runterreißen kann.  Das hat manche nicht daran gehindert, es trotzdem zu schaffen. Die vielen zerrisenen NPD-Plakate am Wegesrand beweisen es. Sie zerren offensichtlich an den Nerven der NPD in MV. Sonst hätte sie nicht  offiziell eine Belohnung von 50 Euro ausgelobt für jeden, der zur „gerichtsfesten Identifizierung“ eines Plakatabreißers beiträgt. Doch das beeindruckt nicht jeden.

So haben Unbekannte vor einigen Wochen an einer Fußgängerinsel in der Wolgaster Straße Farbbeutel auf die Plakate geworfen. Erfolgreich waren sie jedoch nicht: ca. 14 Farbkleckser sind seit dem auf der Straße und dem Gras, nur 2-3 haben die Plakate getroffen. Ob es an mangelnder Zielgenauigkeit oder einem zu hohen Alkoholpegel lag, weiß ich nicht. Dennoch ist es ein Ausdruck der Hilflosigkeit gegenüber der hohen NPD-Plakatpräsenz, die mein Besuch aus Süddeutschland vor kurzem so auf den Punkt gebracht hat: „Wenn man hier über die Dörfer fährt, kann man den Eindruck bekommen, es gibt nur eine Partei.“

Doch nicht nur NPD-Plakate werden zersäbbelt, auch die Plakate anderer Parteien werden kräftig (meistens in der Nacht) zerstört. Das sehe ich jeden Tag, wenn ich die Wolgaster Straße entlang fahre. Auch Graffiti-Schmierereien auf Plakaten der FCFP (Fidel Castro-Freunde-Partei) fallen auf. Grund genug also, der Sache auf den Grund zu gehen: Ist Plakate smashen und beschädigen strafbar, eine kleine Ordnungswidrigkeit oder straffrei? Wie viel hat die Greifswalder Polizei damit zu tun? Wie viel Zeit und Geld steckt eigentlich in solchen Plakaten und wie gehen die Greifswalder Parteien mit dem plakativem Vandalismus um?

Zunächst die Rechtslage: „Das Herunterreißen, Beschädigen und Beschmieren von Wahlplakaten stellt eine Sachbeschädigung gemäß § 303 Strafgesetzbuch dar. Es handelt sich um eine Straftat, die mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft werden kann.“ So antwortet die Polizeiinspektion Anklam, die auch für HGW zuständig ist. 13 Anzeigen hat sie bisher deswegen aufgenommen, 4 davon in der Stadt HGW. Genauere Statistiken über zerstörte Plakate und Aufklärungsquoten führt sie aber nicht.

Dann die Parteien. Zunächst: Die SPD antwortet gar nicht, die Famiienpartei auch nicht. Die NPD, vertreten durch Michael Gielnik, will nicht detailliert antworten, weil durch mein Kommentar zum 01. Mai auf radio 98eins „keine objektive Berichterstattung“ erwartet werden könne. Auf mein erneutes Nachhaken, dass jede Partei dieselben Fragen bekommen habe, gibt es keine Antwort.  Schade, ich würde ja behaupten, dass ich einer derjenigen bin, der wenigstens nachfragt, bevor er schreibt, aber so muss sich jeder seinen eigenen Reim machen.

Deutlich offener ist die FCFP. Sie habe ca. 450 Plakate aufgehängt, davon wurden bisher ca. 20-30 zerstört, was als „sehr belastend, demotivierend, empörend“ empfunden wird. Es gebe keine „Ortssatzung zur Plakatwerbung anlässlich von Wahlen, [...], und die wenigen Rahmenbedingungen bzw. Vorschriften, die es gibt, werden [...] von der Stadt nicht kontrolliert“. Konsequenterweise fordert sie eine „faire Reglementierung von Plakatwerbung“. Dabei hat sie vor allem im Hinterkopf, der NPD einen Riegel vorzuschieben.

Die FDP hat ca. 40 von 1000 aufgehängten Plakaten verloren und findet das „ganz klar demotivierend“, zumal sie durchweg von ehrenamtlichen Mitarbeiter aufgehangen wurden. Sie betont dabei, mit wie viel Liebe sie ihre Plakate anbringt (die überstehenden Laschen der Kabelbinder werden abgeschnitten). 2,50 Euro kostet ein Plakat, wenn alle anfallenden Kosten zusammengerechnet werden, schätzt André Bleckmann. Die Kosten dafür tragen hier die Kandidaten selber und werden dazu vom Kreisverband bezuschusst, Steuergelder würden nicht verwendet. Insgesamt lege man großen Wert auf Transparenz bei den Finanzen. Man habe auf jeden Fall aus vorherigen Wahlkämpfen dazugelernt und Standorte wie Inhalt sowie Layout der Plakate entsprechend angepasst.  Für die provokanten neusten Plakate scheint das jedoch nicht zu gelten.

Bei den Greifswalder Grünen, hat man mehr als die Hälfte der 300 aufgehängten Plakate verloren, schätzt Kreistagskandidat Kay Karpinsky. Eine genaue Statistik werde nicht geführt. Die CDU bleibt sehr allgemein, nennt nicht mal Zahlen, wie viele sie aufgehängt hat und wie viel sie kosten. Auf jeden Fall erstattet sie Anzeige, wenn ganze Straßenzüge runtergerissen wurden.

So bleibt es brisant und dramatisch. Mein Eindruck ist, dass aktuell einige Nazis sehr genau ihre Plakate beobachten: Häufig sieht man illustre Gestalten die Straßen beinahe patroullieren und man wird den dumpfen Eindruck nicht los: hier soll Präsenz und Aufmerksamkeit signalisiert werden: Wehe, jemand vergreift sich an den Plakaten! Denn die Lage ist klar: Die NPD möchte ihren politischen Einfluss weiter steigern, die Kreistage erobern und im Landtag bleiben. Viele Bürger wehren sich auf kreative Art und Weise, so z.B. Storch Heinar.  Oder das Greifswalder Stuthe, das Plakate aufgehängt hat mit dem (allerdings sehr problematischen!) Slogan „Gehirn düngen“. Trotzdem sind sie ein sichtbares Zeichen, dass die Überdominanz der NPD-Plakate nicht toleriert wird. Gut, man könnte an dieser Stelle noch viel schreiben über die Gründe nationalsozialistisches oder anderes menschenverachtendes Gedankengut zu unterstützen, denn an mangelnder Intelligenz liegt es mit Sicherheit nicht immer. Natürlich, Bildung ist zweifelsfrei ein wichtiger Faktor. Er rettet aber längst nicht alles.

PS: Falls Christen diesen Artikel lesen: Bitte immer wieder auf die Knie gehen und Gott um Gnade anflehen, dass er jedem Nazi persönlich begegnet und sein Herz verändert.  Es wär doch was, wenn zur nächsten Landtagswahl Udo Pastörs in den Kirchengemeinden über seine Bekehrung predigt statt auf Marktplätzen Hass-Parolen zu rufen. Bei Gott ist nichts unmöglich!

PPS: Hier noch einige Fotoeindrücke. Sie sagen mehr als der viel zu lange Blog-Artikel…
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Verfasst von: stephandreytza | 31/05/2011

Kirchentag: Bussis für den Umweltschutz

Der Kirchentag ist bekannt für seine bunte Vielfalt. Auf ein schillerndes Angebot möchte ich heute hinweisen. Kirchentagspräsidentin Katrin Göring-Eckardt hat angekündigt, jeden Besucher, der eine umweltfreundliche Milchverpackung vorweisen kann, mit einem Küsschen belohnen zu wollen. Als ich das Anfang April gelesen hatte, konnte ich es fast nicht glauben. Nicht, dass ich prinzipiell etwas gegen Küsschen habe. Aber warum bitte bringt sich eine so hohe Repräsentantin der evangelischen Kirche mit Bussi-Aktionen für den Umweltschutz ins Gespräch und nicht mit kreativen Aktionen um Menschen von Jesus zu begeistern? Gerade wenn man in Dresden sein wird, wo rein statistisch betrachtet nur 20% Christen sind?

Als kritischer Theologe wollte ich es genau wissen. Also Recherche im Internet. Und tatsächlich, in einem Interview stellt sie „persönlichen Einsatz“ in Aussicht, sich für umweltverträglichere Milchverpackungen einzusetzen. Damit hätten wir schon die Nachricht von idea wenigstens bestätigt. Doch das reicht mir nicht. Ich möchte es genauer wissen, das Konzept konsequent weiterdenken, die Details, die Hintergedanken und Ziele der Aktion wissen. So schreibe ich ne Mail an das Bundestagsbüro von Frau Göring-Eckardt. Ich erwähne, dass ich darüber bloggen möchte und frage an, was unter umweltverträglicheren Verpackungen läuft, ob sie nur „bio“ oder auch „biofair“ sein müssen. Welche Bio-Sigel als Voraussetzung für „umweltverträglicher“ gelten, ob es von den Küsschen ein oder zwei gibt und wohin (Wange, Stirn, Hand)? Und überhaupt, was erhofft sich Frau Göring-Eckardt von der Aktion, wie kam sie darauf und hat sie keinerlei Bedenken, sich dadurch der Lächerlichkeit preiszugeben?

Viele Fragen, auf die es z.T. eine ausführliche Antwort einer Mitarbeiterin ihres Büros gibt. Sie zählt auf, wie konsequent der Kirchentag in allen Bereichen umweltbewusst agiert, dass die Ehrenamtlichen per Bahn anreisen, die Reinigungsmittel ökologisch abbaubar sind und vieles mehr. Alles mit dem Ziel der christlichen Schöpfungsverantwortung gerecht zu werden. Allerdings habe Frau Göring-Eckardt festgestellt, dass noch besser gehe, so die Mitarbeiterin: Auf dem ÖKT in München waren auf dem Markt der Möglichkeiten die vielen kleinen „Plastemilchdöschen“ zu viel verbreitet. Daher habe die Kirchentagspräsidentin sich dafür ausgesprochen dieses Mal in Dresden das besser und umweltschonender zu handhaben und deshalb vorgeschlagen lieber „[…] auf große Verpackungen wie Literflaschen oder Tetrapacks zurückzugreifen.“ Dann folgt der vermutlich schönste Satz in der Antwort: „Eine eigene Kuh als besonders umweltfreundliche Milchverpackung mitzubringen ist natürlich auch möglich.“ Also doch! Hatte mein philophisch-theologisch gebildeter Freund Pro&Contra-Andi Klimacuss, den es wirklich gibt, recht behalten. Er hatte bereits auch die Idee einer muhenden Milchverpackung, als ich ihm von dem Bussi-Plan erzählte.

Doch meine Fragen waren nicht alle beantwortet. Besonders meine dringendste, wo es den Kuss hingebe. Außerdem eine weitere Frage, die mir kam: Ob es am Ende nicht doch nur Ferrero-Küsschen gibt? Hier fiel die Antwort in einem einzigen Satz sehr kurz aus: „Von manchem im Leben muss man sich einfach überraschen lassen…“ So bleibt es spannend, ob für umweltverträglichere Milchverpackungen ein nicht fairgehandeltes, nicht umweltverträglich hergestelltes und verpacktes Ferreroküsschen dran glauben muss oder es tatsächlich „persönlichen Einsatz“ der prominenten Grünen-Politikerin geben wird. Manche finden die Idee zumindest super.

Festzuhalten bleiben auf jeden Fall folgende Dinge: Wenn es um den Umweltschutz geht, ist die EKD bezüglich ihrer Konsequenz vorbildlich. Leider bleibt nur mein unstillbarer Wunsch, dass die vielen grün angetriebenen Umweltschützer der EKD mit derselben Leidenschaft und Konsequenz in allen Bereichen des Kirchentages (und ihres Lebens) von Jesus erzählen und zeugen und dabei nicht „nur“ in der Schöpfung stehen bleiben. Jesus ist nicht von den Toten auferstanden, damit wir Umweltschutz betreiben, sondern in Versöhnung mit Gott leben können. Das ist die zentrale Botschaft! Kaum auszudenken, wie ein Kirchentag aussehen würde, wenn diese Message mal konsequent in allen Bereichen hör- und sichtbar wäre.

Prominente Kirchenmitglieder könnten statt der Bussis gut designte Kärtchen mit Bildern aus Gottes Schöpfung verteilen, die einen passenden Bibelvers sowie einen netten freundlichen Gruß enthalten. Auf allen (digitalen) Werbesäulen wären kreative und gut designte Hinweise und Einladungen zum christlichen Glauben. In der Tagesschau wäre die Rede davon, dass der EKD-Ratsvorsitzende beim Kirchentag kreativ und provokant zum Glauben aufgerufen und in seiner Ansprache Jesus in den Mittelpunkt gerückt habe.

Nicht, dass die EKD nie vom Glauben an Jesus spricht. Aber es ist schon befremdlich, mit welchem Engagement sich manche Vertreter für den neuen Ablasshandel einsetzen, der nach folgendem Satz funktioniert: Lebe biofair-umweltbewusst und du erhältst Anerkennung und Gnade in der (Kirchen)Gesellschaft. Doch gleichzeitig redet man relativ wenig von Jesus. Das wird ja bereits immer wieder von säkularen Medien moniert. Schade eigentlich. Denn schöner wäre es, wenn säkulare Medien wahrnehmen würden, dass die EKD sehr viel über Jesus redet. Bisher scheint das nicht der Fall zu sein.

Verfasst von: stephandreytza | 30/05/2011

Immä Mallöä mit die Frauen

Ich bin ein Hingucker. Mein Äußeres ein Eye-Catcher auf zwei Beinen. Besonders Frauen finden mich interessant. Es vergeht keine Woche, in der sich nicht einige nach mir umdrehen. Ich zähle sie schon  nicht mehr. Es sind so viele. Hübsche! Frauen! Hauptsächlich junge, hübsche, Frauen! Wenn sie mir begegnen, sehe ich ihn ihren Augen unterschiedliches: Verwunderung, Bewunderung, Ärger, Überraschung. Aber auch Skepsis. Kritische Skepsis. Warum bloß??

Ich kann doch nichts dafür. Ich rufe nicht laut: „Guckt mich alle an! Ich bin so toll!“, trage keinen ausgefallenen Klamottenstil. Ich bin kein Mode-Guru, kein bunter Vogel, keine Stil-Ikone. Ich bin wie ich bin und sehe aus, wie ich aussehe! Und das verstecke ich auch nicht. Aber gerade das bewirkt offensichtlich Aufmerksamkeit. Ich bin einfach wie ich bin: Fröhlich, natürlich, gelassen. Nicht immer, aber immer öfter. Und so werde ich in letzter Zeit immer mehr ungewollt zum Hingucker. Wat fürn Mallöä mit die Frauen! [1]

Du denkst vielleicht mittlerweile, ich erzähle das, um zu prahlen, meine unerfüllten Macho-Träume kundzutun, mein eigentlich schwaches Ego zu pushen? Weit gefehlt! Ich klage mein Leid, meine Fragen, mein Unverständnis! Ich bin überfordert. Ich war noch nie in meinem Leben der Hingucker für Frauen! Zumindest habe ich das bisher nie gemerkt. Aber seit der Frühling da ist, geht die Post ab! Und ich bin verwirrt, ich Armer:

Da gehe ich aus dem Haus, fahre mit dem Rad die Wolgaster runter, und zack!, dreht sich diese Frau nach mir um. Nur weil ich gepfiffen habe! Berührt-verstört-betört blickt sie mich an. Ich gucke sie an. Und denke: „Was bildet die sich ein?? Ich pfeife irgendeine Melodie und schon denkt ne junge Frau ich will was von ihr, oder was!? Hallo!!?? Ich meine, man muss hier grundlegendes klären: Ich bin fröhlich, gut drauf oder auch gelangweilt. Deshalb pfeife ich. Nicht um dich aufzureißen! Das ist gar nicht mein Stil!“

An der jungen Frau bin ich schon längst vorbeigeradelt. Ich pfeife immer noch. Und werde immer wieder pfeifen. Doch mittlerweile bin ich geübt darin und beinahe ein Pfeif-Profi. Da verliert nicht mehr die Fassung oder den Atem. Da pfeife ich gnadenlos weiter, wenn sich wieder mal ne Frau nach mir umdreht. Damit keine Miss-Verständnisse entstehen. Und deshalb sei es nochmal klar und deutlich gesagt: Ich pfeife gerne! Ich pfeife, ob auf dem Rad oder zu Hause! Im Garten oder der Garage! Aus dem letzten Loch oder dem ersten Viereck! Aber ich pfeife nicht um Frauen aufzureißen!! – Man, man, Mann, dass es auch immä diese Mallöä mit die Frauen geben muss.


[1] Kommt aus dem französischen „Malheur“=Unglück. In Pommern sagt mal wohl eher „Mallöä“. Typisch pommersch ist neben „immä“ auch die nominale Adaption des Dativ „mit die Frauen“…
[2] Diese Story erscheint in dem monumentalen Einteiler:  „Geschichten, die das Leben schrieb“

Verfasst von: stephandreytza | 20/05/2011

Gedanken eines Skeptikers

Jesus Christus, gesalbter Retter.
Du schickst manche auf die Bretter
Des Denkens, Fühlens und Wollens.
Jesus Christus, das ist dein Name.
Du verärgerst die Dame, du störst den feinen Herr.
Du stehst zu meinem Denken quer.

Jesus Christus – wer soll an dich glauben?
Du willst mich doch berauben! Meiner Freiheit!
Meines Egos! Meiner Stärke!
Jesus Christus – Was hast du in echt getan?
Warst du nicht einer, der nett und helfend seines Weges ging,
am Ende aber tot am Kreuz dort hing?

Jesus Christus – ein alter frommer Kirchenschnack?
Der Freund des heuchlerischen Kirchenpack?
Bah! Wenn das so ist, dann will ich dich nicht!
Jesus Christus – gesalbter Retter!
Was weiß man schon so sicher über dich?
Stimmt die Bibel oder stimmt sie nicht?
Jesus Christus – eine Floskel, ein fremdes Wort?
Ich weiß nicht, was von dir halten.
Gilt es nur, dein Erbe zu verwalten?

Jesus Christus – stürmischer Erretter?
Wohlfühl-Guru? Nächstenliebe-Profi?
Wer bist du, wer warst du, wer willst du sein?
Jesus Christus – ich bin mir unsicher.
Noch sag ich nein.

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(Erstmals vorgetragen beim OPEN MIC in Greifswald am 16.05.2011)

Verfasst von: stephandreytza | 16/05/2011

Zeit

Zeit. Ich hab sie. Ich hab sie nicht.
Zeit. Sie hat mich. Sie hat mich nicht.
Zeit-los. Groß ist der Druck, klein die Freude.
Zeitlos. Ist der Traum, Zeit zu haben.
Aber Sseit-los-geht, find ich kein Stop mehr.
Und zieh keine 4000 Euro ein.
Zeit zu zweit – nein – das geht zu weit.
Zeit. Getrieben, gerieben, verblieben
Sind ein paar Tage – und sonst nichts?
Fragezeichen!? Zeit? Niemals! das geht zu weit
Ich hab zu tun! Ich bin so wichtig. Und das ist richtig. Früh.
Zeitich. Die Zeit und ich. Mehr gibt es nicht.
Doch wer will das hören? Stören, nich die
Zeitbesinger? Die Poeten, Texter und Schreiber?
Ach ja. Zeit. Hab ich nich ewiglich.

(Erstmals vorgetragen beim OPEN MIC in Greifswald am 16.05.2011)

Verfasst von: stephandreytza | 08/05/2011

Im Notfall wird gespart

Infos und SOS bei der DB? Fehlanzeige!

Infos und SOS bei der DB? Fehlanzeige!

Wunderbar. Dass der ICE ab München ausfällt und man stattdessen erster Klasse im IC von Erlangen nach Berlin tuckert: verschmerzlich. Dass im RE 4362 die Live-Ansage kommt, in Neustrelitz stehe gleich die OLA 79788 bereit: normal. Ausstieg in Fahrtrichtung rechts kriegt man hin. Geht ja nicht um den Atomausstieg. Der erste Blick geht natürlich auf die bahnblauen Anzeigetafeln: „Ausfall der Lautsprecheranlage!“ – die OLA ist aber noch angezeigt. Na denn, alles paletti. Denkt man. Es ist 19.05 Uhr, zwei Minuten nach der geplanten Abfahrtszeit. Die Anzeigetafel ergänzt: „Zug fällt aus.“ Olé! Die ersten wissen gleich, in einer Stunde kommt der nächste Zug. Super. Eine Stunde warten also. Aber warum fällt der Zug aus?

Ich will es wissen. Und jetzt geht’s erst los: Was tun, wenn in Neustrelitz kein Fahrkartenschalter, kein Bahn-Mensch in Sicht und keine Lautsprecherdurchsagen kommen? Hab keine Kumpels, die um die Ecke wohnen und mich abholen können, wie es einige der ca. 120 mit mir wartenden Fahrgäste noch tun werden. Mein Blick fällt auf diese oft gesehene, aber von mir noch nie genutzte Info-Säule. Ich drücke den Info-Knopf: Eine PC-Stimme erklärt, dass ich in eines der nächsten drei S-Bahn-Zentren oder so ähnlich weitergeschaltet werde. Dann: Es tutet und tutet. Wie wenn man bei jemandem anruft und der geht nicht ran. Nur halt in ziemlich laut. Ich stehe plötzlich ein wenig im Mittelpunkt des Bahnsteiges. Wollt ich gar nicht. Naja – und dann hört es auch auf zu tuten. Wochenende bei der Bahn!? Mir kommt der dumme Gedanke: Warum sollten Infosäulen auch Infos geben? Wäre ja übertrieben.

Lautsprecher funzen nicht, Zug fällt aus. Was will man mehr?

Lautsprecher funzen nicht, Zug fällt aus. Was will man mehr?

Ich lache: Ok – Lautsprecher funzen nicht, Zug fällt aus, Info-Säule gibt keine Infos. Irgendwie so doof, dass es schon wieder lustig ist. Ein anderer Fahrgast hat mittlerweile via mobiles Internet auf Handy rausgekriegt, die Privatbahnen streiken wohl noch länger. Also auch die OLA, wie die OZ wohl berichtet. Super. Warum hat uns das keiner im Zug vorher gesagt? Nicht gewusst, wenn die OZ das schon weiß? Egal. Aufgeben ist nicht mein Ding. Also lache ich wieder über die Absurdität dieser Bahn-Gesellschaft. Dann drücke ich den roten SOS-Knopf. Hatte erst gezögert. Nicht, dass dann plötzlich Polizei, Krankenwagen und Feuerwehr auf der Matte stehen und ich ne Anzeige wegen Missbrauch bekomme. Schließlich ist es ja kein Notfall in dem Sinne. Aber es scheint mir die einzige Möglichkeit zu sein, einige Infos zu bekommen, wie es weitergeht.

Und dann? Es tutet und tutet. Wie wenn man bei jemandem anruft und der geht nicht ran. Nur halt in ziemlich laut. Genau. Und dann hört es auch auf zu tuten. Wochenende bei der Bahn! Warum sollten SOS-Säulen auch funktionieren? Wäre ja übertrieben. Könnte im schlimmsten Fall nur Leben retten. Da spart man lieber. Wahrscheinlich sind diese SOS-Säulen in Teilzeit gegangen und arbeiten erst ab 22.00 Uhr. Tolle Aussicht für Menschen, die diesen Knopf mal wirklich in einer Notlage drücken werden. Der Kulturschock ist wieder perfekt, der kurze Trip in den Süden fast vergessen: Welcome to MV (Mecklenburg-Vorpommern)! Dort, wo man gerne vieles totspart und die Leute sich im Stich gelassen fühlen, wenn sie Hilfe oder auch einfach nur nen Zug brauchen! So auch auf Gleis 3a+b.

Ein anderer Reisender erzählt mir, dass er eben die kostenlose Bahnauskunft angerufen hat. Er wurde zu Beginn von einer üblichen PC-Stimme gefragt, wie zufrieden er mit dem Service der Bahn sei. Bittere Ironie der Stunde, zumal er anschließend auch keine weitere Auskunft und Hilfe bekommt… So. Man könnte denken, das war’s. Aber das ist ein Irrtum! Denn nachdem ich noch den Knopf für Behinderte an der Info-Säule  getestet habe (Ergebnis: tut, tut… ich spare mir die Wiederholung…), rollt wirklich ein Zug ein: Der RE 18516. Unglaublich. Er rollt sogar los. Noch unglaublicher. Und dann lässt Neubrandenburg die Freude erst recht explodieren: Zwei Gleise weiter steht eine OLA. Wir können sie zumindest sehen. Und sehen, wie sie weiterfährt.

Die OLA fährt doch!? Streik oder kein Streik? (Aufgenommen: Neubrandenburg Hbf, 08.05.11, 19.37 Uhr)

Ick versteh die Welt nich mehr. Ist jetzt Streik oder nicht? Gut, das Leben ist nicht logisch, die Bahn erst recht nicht. Auf dem Weg nach Stralsund begegnet uns eine weitere OLA. Irgendwas kann da nicht stimmen. Was aber stimmt, ist die Stunde Aufenthalt, die man in Stralsund noch braucht, um mit dem nächsten Zug nach Greifswald zu kommen. Immerhin hat der Schaffner im Zug nach Stralsund die Verspätung bereits ordentlich abgestempelt. Trotzdem bleibt ein Fazit der Fahrt: Im Notfall wird bei der Bahn gespart. Nicht auszudenken, was im Notfall passiert.

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Fotos: Alle privat.

[Aktualisierung: Auf meine Anfrage vom 09.05 bei der OLA, warum die OLA 79788 nicht gefahren ist, wird mir am 20.05.2011 per Mail mitgeteilt:  "[...]Nach Rücksprache mit unserer Betriebsleitzentrale können wir sagen, dass der Zug 79788 ist am 08.05. auf Grund von Streckenüberlastung zwischen Neustrelitz und Neubrandenburg ausfallen musste. Der planmäßig ankommende Zug 79785 hatte in Neubrandenburg schon +40 min, so dass dann die Betriebsleitzentrale den Zug zwischen Neubrandenburg und Neustrelitz hat ausfallen lassen. Wir bitten um Ihr Verständnis. [...]„]

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